Die Abschiebung: „Es ist grausam“

Die 12-jährige Tina wird mit ihrer 4-jährig Schwester Lea über Mittwochnacht abgeschoben. Ein paar Freunde und Klassenkollegen der Schülerin machen mit Mülltonnen und Einkaufswägen eine Blockade, damit die Polizei nicht vorbei kommt. Nach einiger Zeit wird die Blockade von einer Gruppe von Polizisten aufgelöst. Am Tag darauf findet eine Demo statt, die erste Donnerstagsdemo seit langem. Mich hat dann interessiert, was Kinder in diesem Alter darüber denken und wie die Demo am Tag darauf war. Ein Interview mit Julie (16).

 Wukblatt: Was ist deine Meinung zur Abschiebung der zwei Mädchen?

Julie: Ich finde es natürlich schrecklich, wenn Menschen abgeschoben werden. Diese Mädchen hatten hier ihr Leben und ihre Zukunft, sie wurden nicht in ihre Heimat zurück, sondern aus ihrer Heimat weggeschickt. Das ist genauso schlimm, wenn Menschen nun „schlecht“ oder „gut integriert“ sind. Es wird überall betont, wie gut integriert die Mädchen waren, das macht die Abschiebung aber nicht schlimmer oder weniger schlimm, niemand sollte einfach aus seinem Zuhause weggeschafft werden. Leider passiert es nämlich regelmäßig und nicht nur diesen Mädchen, es ist in Österreich ganz normal und das dürfte nicht sein, es ist grausam.  

Wukblatt: Waren viele Menschen auf der Demo, die am Tag darauf stattfand?

Julie: Es waren schon einige Menschen auf der Demo, aber nur ein paar Tage später war wieder eine Demonstration, mit dem gleichen Thema und da waren dann leider nicht mehr sehr viele Leute da.

Wukblatt: Wie war die Stimmung auf der Demo?

Julie: Die Reden waren natürlich nicht besonders heiter, sondern voller Wut und Trauer. Aber die Stimmung war nicht niedergeschlagen, es ist Musik gelaufen und wir haben Demosprüche gerufen, mehr Lärm hätte man jedoch ruhig machen können.

Wukblatt: Glaubst du, werden die beiden Mädchen irgendwann wieder nach Österreich zurückkommen können?

Julie: Ich weiß es nicht… vielleicht wenn nicht lockergelassen wird und sich einige Menschen weiter und mit viel Anstrengung dafür einsetzten. Ich hoffe natürlich sehr, dass sie wieder zurückkommen können.  

Wukblatt: Glaubst du, dass Abschiebungen weiter so durchgeführt werden oder diese Aufruhe etwas verändert hat?

Julie: Ich glaube, dass jetzt mehr Menschen auf die Abschiebungen aufmerksam geworden sind, dass weiter demonstriert wird und dass es jetzt öfter einmal Petitionen gegen die Abschiebung vereinzelter Personen geben wird. Ob es aber wirklich etwas verändert hat, da bin ich mir nicht so sicher, die Politik müsste grob etwas ändern wollen, und das hat sie die letzten Jahre auch schon nicht getan. Ich glaube also schon, dass Abschiebungen weiterhin so stattfinden werden, aber sind wir mal optimistisch, gehen wir demonstrieren und hoffen wir das Beste.